Artikel vom 30.07.2001
Hans Auer mit seiner “Luftbildeinrichtung” (Foto zvg)
| Hans Auer GmbH: Neuunternehmer des Monats Juli 30. Juli 2001
«Ich kann mein Hobby unterdessen als Beruf ausüben» Den Beruf des Fotografen gibt es schon lange. Aufnahmen von Gebäuden oder Objekten aus der Vogelperspektive konnte man bisher jedoch nur aus einem Helikopter oder aus einem Heissluftballon «schiessen». Seit letztem Herbst bietet Hans Auer, «Neuunternehmer des Monats Juli 2001», eine neue Variante an, die nicht nur weniger kostet als die bisherige Möglichkeit, sondern auch eine bessere Qualität der Aufnahmen verspricht – und erst noch weniger Aufwand verursacht. Mit einer auf einem mobilen, pneumatischen Stativ montierten Digitalkamera kann Hans Auer aus einer Höhe von bis zu 20 Meter praktisch jede Immobilie ablichten und aus einer bisher unbekannten Perspektive zeigen. «Die ganze Sache begann damit, dass ein Bekannter von mir sein Haus verkaufen wollte und mich um Rat fragte, wie man die Liegenschaft samt Umschwung möglichst vorteilhaft fotografieren könnte», blickt Hans Auer, «Neuunternehmer des Monats Juli 2001», zurück. Zuerst habe man eine Aufnahme aus einem Helikopter in Betracht gezogen – doch diese Variante habe man relativ schnell wieder verworfen. Von Oliver Degen Basel. «Die Kosten, welche das Mieten eines Helikopters verursacht, waren eigentlich schon Grund genug, um diese Variante aus den Traktanden zu streichen», erklärt der 53-jährige Auer. Doch auch von der fachlichen Seite her seien Einwände gegen diesen Weg aufgeführt worden: «Ein Helikopter muss über bewohntem Gebiet eine Flughöhe von 300 Metern einhalten – selbst wenn man zoomt, erscheint das Objekt auf der Fotografie schlussendlich ziemlich klein», argumentiert Auer, «ausserdem ist es kaum möglich, effektiv nur ein ganz bestimmtes Gebäude aufzunehmen.» Als Resultat erhalte man deshalb oft nur eine ziemlich unscharfe Aufnahme der Liegenschaft samt umliegender Nachbarschaft. Eine verwegene Konstruktion Ein zweiter Vorschlag – eine Hebebühne wie sie auch Maler verwenden – habe man wegen der topografischen Situation verwerfen müssen. «Am Ende haben wir zwei hohe Leitern zwischen den Bäumen festgezurrt, was uns erlaubt hat, die optimale Position einzunehmen.» Das Resultat der ganzen Aktion habe alle Erwartungen übertroffen. «Kurze Zeit später hat mein Bekannter des Haus verkaufen können, wobei ich aber nicht behaupte, dies sei auf die Aufnahme zurückzuführen», schmunzelt Hans Auer, «ich bin jedoch überzeugt davon, dass das Foto eine positive Wirkung erzielt hat.» Ob sich der neue Hauseigentümer wegen dieser Aufnahme für den Kauf entschieden habe, lasse sich nicht mehr klären. Dass jedoch auch andere Personen begeistert auf die Fotografie reagiert hätten, habe er aufgrund der vielen Anfragen ganz konkret feststellen können. Eine professionelle Konstruktion Angestachelt vom ersten Erfolg, entwickelte Hans Auer einen elektro-pneumatischen Masten, den er auf einem Anhänger fixierte und an dessen Ende eine Digitalkamera montierte. «Dabei konnte ich von meinen handwerklichen Fähigkeiten profitieren», meint der gelernte Eisenbetonzeichner. Bald habe er jedoch festgestellt, dass sein Aktionsradius vom sperrigen Anhänger eingeschränkt wurde. «Ich stand also erneut am Zeichnungsbrett und an der Werkbank und entwarf eine Konstruktion, in die ich meine bisher gesammelten Erfahrungen, aber auch neue Ideen und Vorstellungen einfliessen liess», erklärt der Vater eines «gerade volljährig gewordenen» Jungen. Als Resultat entstand ein elektropneumatischer Teleskopmasten, der eine Höhe von rund 20 Metern erreicht. Die Digitalkamera befestigte er an einem Dreh- und Neigekopf, den er über eine Fernsteuerung vom Boden aus ausrichten kann. «In meinem Auto befindet sich ein Bildschirm, so dass die Kunden die Bewegungen der Kamera direkt mitverfolgen können», freut sich Auer über seine gelungene Erfindung. Selbstverständlich dürfen die Kunden die Anlage auch selber steuern und können das Objekt ihrer Begierde auch selber ablichten. Häuser, Garagen oder Burgen… In der Zwischenzeit kann Hans Auer die eingehenden Aufträge kaum mehr bewältigen. «Neben Hauseigentümern, die einfach ein Bild ihrer Liegenschaft besitzen möchten, nehmen häufig Wirte oder Hoteliers, aber auch industrielle Betriebe und auch viele Immobilienmakler meine Dienste in Anspruch, um ihr Unternehmen in Prospekten oder anderen Werbeunterlagen zu präsentieren», meint Auer, der vor seiner Tätigkeit als Fotograf fast 30 Jahre lang in der Versicherungsbranche gearbeitet hat. Dank der Digitalisierung der Aufnahmen könne er diese später nachbearbeiten und störende Strassenschilder oder durch das Bild laufende Stromleitungen wegretuschieren. «Ausserdem muss ich die Aufnahme korrigieren, weil das Gebäude perspektivisch entgegenkommt – so wie man das von den Eisenbahnschienen her kennt», erklärt Auer. Wichtig sei auch, dass er vorher über die jeweiligen Lichtverhältnisse informiert würde: «Ich muss wissen, zu welchem Zeitpunkt das Objekt auf seiner «Schoggiseite» optimal von der Sonne beleuchtet wird.» «Ich darf mich nicht verzetteln» Ein paar Sorgefalten bereitet Auer die Tatsache, dass er unterdessen Aufträge aus der ganzen Schweiz, teilweise sogar aus dem nahen Ausland erhält. «Da meine Tätigkeit extrem wetterabhängig ist, muss ich sehr darauf achten, dass ich meine Kapazität optimal auslaste.» Aus diesem Grund überlegt er sich, wie er die Zusammenarbeit mit potenziellen Partnern gestalten könnte. «Das Vermieten meiner Anlage ist eine Möglichkeit, eine andere Variante ist das so genannte Franchising.» Auf jeden Fall müssten es Personen sein, die den fachlichen Anforderungen gerecht würden. «Ausserdem fragen mich die Kunden auch vermehrt, ob ich nicht die gesamte Produktion von Prospekten, Inseraten oder Plakaten und sogar von ganzen Internet-Auftritten übernehmen könne», erzählt Auer. Er könne sich durchaus vorstellen, sein Dienstleistungsangebot entsprechend auszubauen oder Kooperationen einzugehen. Er freue sich auf jeden Fall unheimlich über den Erfolg seiner Idee, den er in diesem Umfang nicht erwartet habe. «Zudem bin ich in der glücklichen Lage, dass ich mein Hobby unterdessen als Beruf ausüben kann – was will man mehr?» Hans Auer GmbH, Hardstrasse 1, 4052 Basel, Tel. 061/283 33 66 http://www.luftbilder.ch © 2001 National Zeitung und Basler Nachrichten AG
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