Balink AG: Neuunternehmer des Monats Februar
26. Februar 2001


«Mitarbeiter hegen, pflegen und vor Headhuntern schützen»
Von Oliver Degen
Die Kundenorientierung, die Zuverlässigkeit, die Flexibilität und die ausgewiesene Fachkompetenz: Diese Faktoren haben den Beirat dazu bewogen, die Gründer der Balink AG zu «Neuunternehmern des Monats» zu küren. Der Erfolg ihres im Bereich von Business-Applikationen auf SAP R/3-Basis tätigen Unternehmens beruhe auf der Leistung und der Zufriedenheit der Mitarbeitenden. Führung mit sozialer und emotionaler Intelligenz betrachten die Balink-Gründer deshalb als eine der zentralen Funktionen eines Unternehmers.
Basel.
«Unsere erfahrenen Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital», formuliert Martin Pfister, Balink-Mitgründer und im Speziellen für den Bereich Finanzen zuständig, das Credo der «Neuunternehmer des Monats».
«Bei uns ist dies aber nicht ein aufgestülptes Image, sondern gelebte Firmenphilosophie», bekräftigt Pfister. Die Kunden könne man nur durch qualitativ hoch stehende Leistung zufrieden stellen. Hohe Qualität und Zuverlässigkeit erreiche man nur mit Mitarbeitenden, die einen entsprechenden Profil-Mix aufweisen würden. Deren Leistungsbereitschaft und Motivation könne man nur in einem angenehmen Arbeitsklima fördern.
Keine Hierarchie, kein Dresscode
«Es ist unterdessen fast schwieriger geworden, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden, als neue Aufträge an Land zu ziehen», schildert Gründungsmitglied und CEO Peter Jung den aktuellen Zustand. Um beim Poker um Mitarbeitende die besten Karten in den Händen zu halten, biete die Balink nicht nur eine überdurchschnittliche Bezahlung. «Wir pflegen einen offenen, auf Selbstständigkeit und Eigeninitiative beruhenden Führungsstil», erklärt der dritte Balink-Gründer, Thomas Stihl. Dies zeige sich auch darin, dass man keine Hierarchiestufen kenne. «Im operativen Geschäft sind wir projektbezogen organisiert, so dass es immer wieder vorkommt, dass wir als Gründer unter der Leitung eines projektverantwortlichen Mitarbeiters tätig sind», verdeutlicht Peter Jung. Bei der Balink kenne man auch keinen Dresscode, dafür aber gemeinsame Aktivitäten während der Arbeitszeit, «um sich auch auf privater Ebene etwas näher zu kommen».
Wirtschafts- und SAP-Wissen
«Neben all diesen Faktoren hat aber der eigentliche Arbeitsinhalt einen wesentlichen Einfluss auf die Zufriedenheit», zeigt sich Stihl überzeugt. Um die spannenden, aber auch anspruchsvollen Aufgaben übernehmen zu können, müssten die Balink-Angestellten einen besonderen Profil-Mix aufweisen: «Unser Aufgabenspektrum bedingt einerseits profunde SAP-Kenntnisse, andererseits aber auch betriebswirtschaftliches Know-how und viel Erfahrung, um Produktionsabläufe und Organisationsstrukturen erfassen zu können», so Stihl weiter. Nur dann sei man in der Lage, die SAP-Software und die jeweiligen betriebsinternen Prozesse im Unternehmen des Kunden optimal aufeinander abzustimmen. «Auch daraus wird deutlich, dass der Mitarbeiter für unser Unternehmen der erfolgskritische Faktor ist», meint Hans-Peter Tschui, der die drei Neuunternehmer seit Februar als zusätzlicher Geschäftsführer unterstützt. Schliesslich haben die Balink-Gründer einen weiteren Grundsatz formuliert: Keines der unter ihrer Führung aktiven Unternehmen (neben der Balink Schweiz AG gibt es auch noch eine Balink Deutschland GmbH in Freiburg) soll mehr als 50 Mitarbeitende zählen. «Ein Unternehmen mit einer höheren Beschäftigtenzahl ist nach unserer Meinung nicht mehr mit unserem Führungsstil zu leiten», erklärt Peter Jung. Ausserdem laufe man dann Gefahr, den direkten Kontakt über den Mitarbeiter zum Kunden zu verlieren. Apropos verlieren: Es sei schon fast Gewohnheit, dass sich alle zwei bis drei Wochen telefonisch irgendein Headhunter bei der Balink melde und entweder einen der Mitarbeitenden oder gar direkt einen der Gründer abzuwerben versuche. «Unterdessen sehen wir das gelassen, denn bisher verpufften derartige Bemühungen erfolglos», erzählt Martin Pfister. Auch dies spreche für das gute Arbeitsklima bei der Balink – «und trotzdem sind solche Methoden eine Sauerei!»
Mit Novartis Unternehmer werden
Was hat die drei Neuunternehmer dazu bewogen, von Bord der sicheren Novartis zu gehen und den Sprung ins kalte Wasser der Selbstständigkeit zu wagen? «Wir strebten zum Zeitpunkt der Gründung alle drei nach mehr Eigenverantwortung, nach mehr Gestaltungsfreiheit und nach mehr Handlungsspielraum – jeder von uns hätte den Schritt in die Selbstständigkeit auch alleine unternommen», antwortet Martin Pfister. Man habe bereits bei Novartis in verschiedenen Projekten zusammengearbeitet, wobei auf geschäftlicher Ebene eine verbindende Denkhaltung und Einstellung festzustellen war. Nachdem man sich über die grundlegende Geschäftsidee schnell einig geworden sei, habe man bis zur Gründung der Balink nur noch sechs Monate gebraucht. «Unser alter Arbeitgeber hat uns sehr fair behandelt und uns beim Start ins Unternehmertum tatkräftig unterstützt», hält Peter Jung fest. Novartis hat sich für die ersten drei Jahre als Minderheitsaktionär an der Balink beteiligt. «Natürlich haben wir zu Beginn auch vom Namen Novartis profitiert – er hat uns einige Türen geöffnet», zeigt sich Stihl überzeugt. Deshalb sehe man es mit einem lachenden und einem weinenden Auge, dass sich der Konzern in naher Zukunft zurückziehen werde.
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